unverpackt kiel 008London hat längst einen, Wien zog Anfang des Jahres nach, und auch in Kiel kann man seit Februar bei Marie Delaperrière im bundesweit ersten Unverpackt-Laden einkaufen.

Wir alle kennen das Bild: Nach jedem Besuch im Supermarkt sind die Einkäufe schließlich ausgepackt, und zurück bleibt ein Haufen Verpackungsmüll. Sechzehneinhalb Millionen Tonnen davon fielen etwa 2011 allein in Deutschland an. Jeder hat schon die Horrorbilder gesehen von vermüllten Meeren, Stränden und verendeten Tieren mit verknäuelten Plastikabfällen im Magen.

Marie Delaperrière hat mit ihrem Laden, einer Art Tante Emma 2.0, diesem Verpackungswahn den Kampf angesagt. Wer bei ihr einkauft, geht garantiert ohne Plastikmüll nach Hause. In ihrem Geschäft, das kurz und passend „Unverpackt“ heißt, bietet die gebürtige Französin haltbare Lebensmittel an, darunter Nüsse, Öle, Trockenfrüchte, Getreide und Hülsenfrüchte sowie eine Auswahl an frischem Obst und Gemüse. Hinzu kommt eine Reihe großer Behälter, aus denen Körperpflegeprodukte und Reinigungsmittel in gewünschter Menge abgezapft werden können.

„Wir legen Wert auf qualitativ hochwertige Ware, und wo es geht, setzen wir auf regionale Produzenten“, sagt die Unternehmerin.

So kommt zum Beispiel das Getreide aus Norddeutschland, und auch ein Teil der bunten Bonbons, die in den großen Glasbehältern gleich am Eingang des 60 Quadratmeter großen Ladens locken, stammen aus einer Bonbonkocherei im etwa 30 Kilometer entfernten Eckernförde.

„Wir möchten lange Transporte zugunsten von Umwelt und Klima vermeiden“, sagt Delaperrière.

Seit Anfang Februar betreibt die Wahlkielerin gemeinsam mit ihrer Freundin und Mitarbeiterin Tanja Kauert ihren Laden an der Holtenauer Straße, einer trendigen Einkaufsmeile in der Landeshauptstadt, an der sich viele kleine, individuelle Läden aneinanderreihen. Die Unverpackt-Idee ist nicht ganz neu und liegt noch dazu derzeit mächtig im Trend: In London etwa gibt es bereits seit 2007 mit „Unpackaged“ einen Bio-Supermarkt, der nach ähnlichem Prinzip unverpackte Waren anbietet, in Wien eröffnete Anfang des Jahres Lunzers Maß-Greißlerei, und auch in Berlin wollen vier junge Frauen unter dem Namen „Original Unverpackt“ demnächst einen verpackungsfreien Supermarkt eröffnen. 

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Bild links: Das Kieler „Unverpackt“-Team: Marie Delaperrière (l.) und Tanja Kauert.

 

 

 

 

Das Prinzip ist bei Marie Delaperrière einfach. Die Kunden können sich ihre Behälter selbst mitbringen, um Nudeln, Nüsse, Hülsenfrüchte und Co aus den geschlossenen und damit auch hygienischen Behältern abzufüllen. Das spart nicht nur Müll, sondern hilft zudem, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.

„Bei uns können die Kunden genau so viel kaufen, wie sie gerade brauchen, niemand muss dann verdorbene Reste aus viel zu großen Packungen wegwerfen“, sagt die Geschäftsfrau.

Auch im Laden selbst bietet die 40-Jährige eine Auswahl an Gläsern und Flaschen sowie bunte Jutesäckchen für Kartoffeln und anderes Gemüse zum Kauf an, in denen die Waren mit nach Hause genommen werden können. Künftig soll auch ein Pfandsystem für Verpackungen hinzukommen, und auch Fleisch, Fisch und Milchprodukte sollen in naher Zukunft angeboten werden. Neben ihrer Leidenschaft für Umweltschutz, Müllvermeidung und der Wertschätzung von Lebensmitteln, liegt Marie Delaperrière vor allem auch eines am Herzen:

„Wir möchten, dass die Menschen wieder Vertrauen in ihre Lebensmittel bekommen“, sagt sie.

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